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Leitartikel der Woche

Geht’s um was, sind wir wer...
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Sportlich gesehen war die vergangene Woche mit vielen Highlights und vor allem Emotionen verbunden. Austria Lustenau ist wieder in der 1. Bundesliga und der SCR Altach bleibt dort und steigt nicht ab. Die VEU Feldkirch oder wie auch immer sie sich nennen werden, steigt in die höchste österreichische Eishockeyliga auf. Mir ist durchaus bewusst, dass ich an dieser Stelle sehr viele Sportarten außer Acht lasse - das ist weder fair noch steht es für die tollen Leistungen in diesen Sportarten.

Mir geht es bei den drei genannten Vereinen vielmehr um die Dynamik beziehungsweise das leise vor sich hinvegetieren, wenn es um „normale“ Spiele geht. Dabei spreche ich nicht von den eingefleischten Fans eines jeden Vereins. Diese Fans sind nämlich auch dann in den Stadien, wenn es dem Verein einmal sportlich nicht so gut geht. Das sind keine Fans, die nicht wissen, was sie mit ihrer Freizeit anstellen sollen, sondern das sind Menschen, die dem Verein und der Mannschaft zur Seite stehen, auch wenn es einmal nicht bergauf geht. Das alles entscheidende Spiel der Altacher um den Klassenverbleib am vergangenen Freitag war ein Paradebeispiel dafür. Das Stadion war seit langer Zeit wieder einmal ausverkauft, die Stimmung bundesligawürdig. Volks­fest­stimmung auf sehr begrenzten Raum und zeitlich absehbar. Die Bilder, die österreichweit aus dem beschaulichen Altacher Stadion gesendet wurden, erzeugten Gänsehaut. So viele Zuschauer hätten sich die Altacher Verant­wort­lichen und vor allem die Spieler wohl bei jedem Heimspiel gewünscht. Natürlich schwindet bei dem ein oder anderen vermeintlichen Fan das Interesse, wenn die sportliche Leistung über eine gewisse Zeit zu wünschen übrig lässt. Aber wir sprechen beim SCR Altach und der 1. Fußballbundesliga von der höchsten Spielklasse, die ein Verein in Österreich erreichen kann. Nicht zu vergleichen mit manchen anderen höchsten Ligen in anderen Ländern. Das ist schon klar. Aber wer qualitativ wirklich guten Fußball live erleben will, muss von uns aus betrachtet nur zwei Stunden etwas nördlich oder südlich fahren. In der deutschen und italienischen Liga ist sogar das fußballerische Niveau eine Augenweide auch für nicht eingefleischte Fußballfans. Mit Österreich und Vorarlberg nicht zu vergleichen, aber muss man auch nicht. Am Ende geht es darum, dass ein Heimspiel des SCR Altach im Schnitt nicht nur von 2.000 Fans verfolgt wird, sondern die Mannschaft im Idealfall immer vor einem ausverkauften Haus spielt. Übrigens ist das nicht nur ein Altacher oder Vorarlberger Phänomen. Es wundert am Ende nur, dass bei einem einzigen Spiel und dabei ging es letzten Freitag nicht einmal um den Meistertitel in der Bundesliga, so viele Zuschauer mitfieberten, als gäbe es kein Morgen.

Ich freue mich über jede sportliche Leistung, egal welcher Verein und welche Sportart. Ich wünsche mir nur mehr Wertschätzung solcher Leistungen und Unterstützung auch in schwierigen Zeiten. Das beginnt übrigens schon in der Nachwuchsarbeit und deren sportlichen Leistungen. Was wäre das für ein Bild, wenn ein Nachwuch­sturnier in Altach vor ausverkauftem Haus stattfinden würde? Ein Erlebnis und Erinnerung für die Ewigkeit. Dieses Wochenende findet wieder das Mehrkampf­meeting in Götzis statt. Mit Weltstars der Leich­tath­letikszene und Tausenden von Zuschauern. Danach wird es um diese Sportart in Vorarlberg für ein Jahr wieder sehr ruhig, obwohl landesweit Leich­tath­letik­veran­stal­tungen stattfinden. Schade, irgendwie.

Geht’s um was, sind wir wer. Diese Aussage gilt nicht nur für sportliche Leistungen oder Großevents. Diese Mentalität finden wir in ganz vielen Bereichen des täglichen Lebens. Auch das ist schade, irgendwie.

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