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Leitartikel der Woche

Wer hat Angst vor...?
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Nein, nicht vor dem schwarzen Mann. Viel mehr sind reale Zukunftsängste gemeint. In Vorarl-
berg haben 40 Prozent laut einer Untersuchung, die das Institut Triconsult Anfang August im Auftrag der Raiffeisen Versicherung gemacht hat, generell Zukunftsängste. 40 Prozent – das ist eine recht hohe Zahl, aber im Österreich-Schnitt völlig „normal“. Lediglich die Burgenländer liegen mit knapp 30 Prozent darunter. Die Wiener, Oberösterreicher und Kärntner machen sich noch mehr Sorgen um ihre Zukunft als wir hier im Ländle. Es ist schon erstaunlich, dass sich so viele Menschen in Österreich, aber gerade auch im reichen Vorarlberg, Sorgen um ihre Zukunft machen. Schaut man genauer auf die einzelnen Punkte der „Sorgenliste“, dann erkennt man klare Abweichungen zum Rest von Österreich. Die größte Angst der Vorarlberger bezieht sich auf Krankheiten und darauf pflegebedürftig zu werden. Danach folgen Ängste vor sozialem Unfrieden und den Folgen des Klimawandels. Dieses „Ranking“ weicht vom restlichen Österreich doch erheblich ab, wobei alle Punkte ebenfalls in den Zukunftsängsten aller Befragten enthalten waren.
Gerade der erste Punkt bei uns Vorarlbergern ist durchaus nachvollziehbar. Wir werden immer älter und mitunter auch anfälliger für Krankheiten und Folgeer­scheinungen. Gerade die Pflege kranker Menschen hat nicht geahnte Konsequenzen. Angefangen vom finanziellen Ruin bis hin zu extrem hoher psychischer Belastung, die wiederum zu gesun­dheit­lichen Risiken führen kann. Eigentlich schon fast ein Teufelskreis. Da bedarf es gut geplanter und vor allem frühzeitiger Vorsorge. Das Sozial- und Gesun­dheits­system in Vorarlberg ist sicherlich eines der besten Europas, wenn nicht sogar weltweit, aber politische Eingriffe (geplante Abschaffung der VGKK – um nur ein Beispiel zu erwähnen) können diese Sicherheit ganz schnell ins Schwanken bringen. Um bei dem größten Punkt der Zukunftsängste der Vorarlberger den Hebel anzusetzen, sollte schon ganz früh Aufklärungsarbeit geleistet werden. Angefangen in den Kindergärten, Schulen, Lehrling­saus­bildung bis hin zu betrieblichen Fortbil­dungsein­heiten, sollte präventiv noch mehr auf mögliche Gefahren hingewiesen werden. Falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Konsum von Drogen (darunter fällt auch Nikotin und Alkohol), falsche Ausübung von Freizeitsport – all das können Punkte sein, die mit dem Ergebnis einer beeinträchtigten Gesundheit präsent werden.
Die Angst vor dem sozialen Unfrieden hängt ganz eng mit der Arbeit der Regierung auf Landes- aber noch viel mehr auf der Bundesebene zusammen. Hier kann eine Regierung viel dafür tun auf einer Art Metaebene für Sicherheit zu sorgen, anstatt mit hetzerischen Kampagnen die Angst vor sozialem Unfrieden noch mehr anzufeuern.
Bei der Angst vor den Folgen des Klimawandels hat der Vorarlberger eine recht pragmatische Meinung. Laut Studie sind die meisten der Überzeugung, dass jeder einzelne viel dafür beitragen kann, dass diese Angst reduziert werden kann. Angefangen von der Mülltrennung und Vermeidung bis hin zur bewussten Ernährung und energieef­fizientem Wohnen sind die Vorarlberger ihrer Verantwortung durchaus bewusst.

Wir sollten also alle daran arbeiten, dass wir weniger Zukunfts-
ängste haben. Manchmal fängt dies mit ganz kleinen Dingen an. „Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage wovor.“ (Frank Theodor Thiess, deutscher Schriftsteller)

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