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Leitartikel der Woche

Neid ist ein schlechter Freiheitskämpfer
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Die Urlaubszeit steht an. Kurz noch im Internet die preisgünstigsten Angebote eingeholt und mit einem Klick ist der Familienurlaub gebucht. Vor dem Bezahlmodus wird man noch aufgefordert, die ID seines grünen Passes einzugeben. Auch die Nummern der restlichen Familien­mitg­lieder müssen eingegeben werden. Das Buchungsportal prüft kurz mit einem Verifizierungsal­gorithmus die Echtheit der Passnummer. Ende der Überprüfung. „Vielen Dank für die Buchung und einen erholsamen Urlaub!“, bekommt man als Bestätigung für den bevorstehenden Familienurlaub. Mittlerweile ist der grüne Pass ein ständiger Begleiter in Größe einer EC-Karte. Praktisch, denn sie hat ebenfalls eine kontaktlose Überprüfungsfunktion. Überall, wo der Pass als Kontrolle dient, wird er einfach gescannt und schon hat man Zutritt zu sämtlichen Freizeitein­rich­tungen.

Die Durchimp­fungsrate ist mittlerweile europaweit bei nahezu 80 Prozent. Zumindest bei denjenigen, die es auch wollen.

Die Ausgangsbeschränkungen und Reisewarnungen sind nahezu aufgehoben worden. Es gibt nur noch vereinzelt sogenannte Hot-Spot-Regionen mit einer zu hohen Inzidenzrate. Das fast normale Leben ist wieder zurück. Die Bürger haben die verlorene Freiheit wiedererlangt. Eine Freiheit, auf die wir alle ein gesetzliches Recht haben. Im Artikel 1, Absatz drei des Gesetzes zum Schutz der persönlichen Freiheit steht folgendes: „Der Entzug der persönlichen Freiheit darf nur gesetzlich vorgesehen werden, wenn dies nach dem Zweck der Maßnahme notwendig ist; die persönliche Freiheit darf jeweils nur entzogen werden, wenn und soweit dies nicht zum Zweck der Maßnahme außer Verhältnis steht.“

Mit der Einführung des grünen Passes gibt es keinen Zweck für besondere Maßnahmen mehr, den Bürgern die genommenen Freiheitsrechte zu entziehen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die derzeit immer größer werdende Neiddebatte um Privilegien für Geimpfte ist der falsche Diskus­sion­sansatz. Etwas, was uns allen zusteht als Recht, als verankertes Gesetz, kann und sollte nicht zu einer Spaltung innerhalb der Bevölkerung führen.

Die Pandemie ist die Ursache für Maßnahmen, die uns gewisse Freiheitsrechte nehmen. Aber es muss auch eine Strategie und ein Ziel geben, uns die genommen Rechte wiederzugeben. Wenn am Ende also das Ziel die Impfung und der damit verbundene grüne Pass sind, dann müssen wir das wohl oder übel akzeptieren. An alle Corona-Leugner, Gegner, Neider oder freiheits­liebenden Demonstranten wäre die Frage gerichtet: Was wäre mit Stand heute und einem Blick auf die Intensiv­stationen die bessere Strategie?

Wir alle müssen jetzt schauen, dass unsere aller Recht auf Freiheit, Arbeit und Bildung nicht langfristig durch Beschränkungen, Kurzarbeit/Jobverlust und Wischi-waschi-Unterricht in den Schulen zu einer neuen Definition von Freiheit wird.

Wenn alle die Chance auf eine Impfung und dadurch die Möglichkeit auf ein rechtlich normales Leben zurückgewinnen können, dann wird das der Weg sein. Die Voraussetzungen sollten dann aber passen: Alle müssen die Chance bekommen und langfristig müssen weltweit andere Wege in der Pandemiebekämpfung stattfinden. Wer glaubt, dass dies die letzte Pandemie war, glaubt auch in naher Zukunft einen anderen bewohnbaren Planeten zu finden.

Jeder hat das Recht auf Freiheit. Zumindest ist das in Österreich eines der höchsten Güter außerhalb einer Pandemie.

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