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Leitartikel der Woche

Ach ja, übrigens,…
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
…heute steht Österreich bei der Fußball-EM im Viertelfinale! Gegen Deutschland! Das wird ein Kracher und die Chancen, dass Österreich das Spiel gewinnen könnte, stehen nicht einmal so schlecht.
Ach ja, wir sprechen hier übrigens von unseren Frauen. Falls das jemand noch nicht mitbekommen haben sollte. Nun kann man vom Fußball und insbesondere vom Frauen-Fußball halten, was man will. Aber wer Fußball nicht mag, der sollte dann auch keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen machen. Das ist derzeit überhaupt so eine Sache mit der „trennenden Gleichbe­rech­tigung“. Ich bin ein großer Befürworter des Verbindenden und das sollte immer über dem Trennenden stehen. Immer. Das gilt dann aber bitte für alle Menschen und Lebewesen. In meinem täglichen Tun bekomme ich oft Texte vorgelegt, die ich erst einmal aufgrund der Unlesbarkeit von dem ganzen, korrekten Genderwahnsinn entschlüsseln und befreien muss. Das mag zwar politisch und gesell­schaftlich korrekt sein, aber hilft es manchen alltäglichen Dingen wirklich? Hat sich seit der Einführung der korrekten Diversität für unter­schied­liche Geschlechter wirklich etwas verändert? Verdienen Frauen mittlerweile gleich viel wie Männer? Haben Männer bei uns in gewissen Positionen wirklich dieselben Chancen wie vorher, wenn sie die volle Elternzeit beanspruchen? Bei Frauen sind wir bezüglich dieser Thematik wohl noch sehr weit entfernt. Und jetzt werden auch noch Betreuungsplätze und -zeiten gestrichen. Das ist in der heutigen Zeit der ach so tollen Gleichbe­rech­tigung und den immer höheren Lebenshal­tungs­kosten fast schon ein Schritt zurück in die Steinzeit.
Noch absurder sind meiner Meinung nach die sichtbaren Zeichen wie die Regenboge­nzeb­rast­reifen und Fahnen. Was genau möchten Städte, Gemeinden und Politiker damit wirklich sagen? Wir sind für Gleichbe­rech­tigung aller Menschen, egal welcher Herkunft, Religion, Hautfarbe und sexuellen Orientierung? Echt jetzt? Muss man das in der heutigen Zeit wirklich noch so öffentlich darstellen? Falls ja, dann sind wir in unserem Denken nicht sehr weit gekommen, denn vieles, was in diesen Regenboge­nzeichen drinsteckt, steht schon sehr lange als Menschenrecht in der Menschen­recht­scharta der Vereinten Nationen und ist in Gesetzen von immer mehr Staaten verankert. Dass es nach wie vor sehr viele Staaten gibt, in denen es Unterdrückung von Andersdenkenden gibt, ist Fakt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Talibanmitglied in Afghanistan für einen Regenboge­nzeb­rast­reifen bei uns im Ländle interessiert. Bitte nicht falsch verstehen, aber warum muss sich heutzutage noch jemand outen, wie er denkt, fühlt, was er isst und was er glaubt? Warum stecken - unbewusst - gesell­schaftlich noch so viele Tabus dahinter und wie können wir diese so durchbrechen, dass es dafür keine Schlagzeilen oder Texte wie diesen hier geben muss? Ganz ehrlich, ich habe nicht wirklich eine Lösung dafür. Aber vielleicht sind es schon kleine Schritte, die helfen können, Diversität wirklich als vielfältig und nicht als trennend zu betrachten. Warum gibt es derzeit zur Fußball-EM zum Beispiel in keiner Stadt in Vorarlberg Public Viewing? Manche Gastronomen bieten es an, ja, aber die zeigen derzeit auch jedes Vorbe­reitungs­spiel von Bayern München. Es geht um Zeichen setzen – eben wie die Regenboge­nzeb­rast­reifen, ohne groß ein mediales Tamtam daraus zu machen. Es geht um Wertschätzung für alle Sportarten, Gruppen und so weiter. Es ist schon ein beachtlicher Schritt, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender im deutschsprac­higen Raum alle Spiele live übertragen. Das ist ein wichtiger Schritt und diesen kann ich auch nur befürworten. Man(n) hätte aber vielleicht noch etwas mehr daraus machen können. Wir werden sehen, wie die Winter-Fußball-WM vermarktet wird. Ach ja, das ist dann übrigens die mit Männern.

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