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Leitartikel der Woche

Der Blick zurück
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Der Blick zurück lohnt sich allemal. Vor allem im Straßenverkehr. Das gilt übrigens für alle Verkehrs-
teilnehmer und kann mitunter Leben retten. Der Blick zurück im alltäglichen Leben kann aber auch bedeuten, dass man auf etwas schaut, das vollbracht oder eben vollendet ist. Eine Handlung kann aber soweit in die Zukunft reichen, dass ein Blick zurück sich lohnt um das Neue besser zu machen.
Der Blick zurück verrät viel über die eigene Vergangenheit und natürlich auch über die Geschichte der Menschheit. Wie haben unsere Vorfahren gedacht, gehandelt und was haben sie aus ihren Handlungen gelernt? Mit dem Blick auf das Heute und Jetzt könnte man in manchen Bereichen glauben, dass sich nicht viel verändert hat und auch nicht viel aus dem Vergangenen gelernt wurde. So gibt es immer wiederkehrende Modetrends oder weltweite Konflikte, die oft mit Krieg und Tod verbunden sind. Der erstgenannte Punkt ist wahrscheinlich für die meisten ein positives Beispiel – sonst wäre es ja kein Trend. Der zweite Punkt zeigt aber, dass sich in manchen Köpfen die Geschichte nicht wirklich manifestiert hat.
Letzte Woche fand in Bregenz das Vorarlberger Wirtschafts­forum statt. Es gab wieder zahlreiche Vorträge von namhaften Referenten. Unter anderem war auch Hermann Scherer eingeladen. Er kam als eine Art „Notlösung“, denn Karl-Theodor zu Guttenberg musste krankheitsbe­dingt absagen. Für die Organisatoren eine Beinahe-Katastrophe aber mit dem zu Guttenberg-Ersatz haben sie eine tolle Lösung gefunden. Am Ende des Vortrags von „Querdenker“ Hermann Scherer hatte auch der letzte Zuhörer keine Zweifel mehr an dieser Alternative. Ein Satz ist mir beim Scherer-Vortrag eindrücklich hängen geblieben. Scherer ist der Meinung, dass es nicht gut sei etwas Neues auf etwas Altem aufzubauen. Man würde mit dieser Herange­hens­weise neue Ideen oft ausklammern und oft auch nicht den Mut haben, Neues auszuprobieren. Man verharre quasi in den alten Denkmustern. Das mag vielleicht auf den ersten Blick banal klingen, aber wenn man sich seine eigenen Denkmuster anschaut und seinen damit verbundenen Lebensalltag, dann erkennt man sehr schnell wie schwer es ist aus der Komfortzone zu entfliehen. Das ist nicht nur sehr oft der eigene Alltag, sondern können auch alte Strukturen in Firmen sein. Darum lohnt es sich, zurück zu blicken und den Mut zu haben in manchen Situationen komplett einen neuen Weg zu gehen. Dabei können verkrustete Strukturen aufgebrochen werden. Das klingt für den einen oder anderen sicherlich sehr riskant, aber wer solche Schritte nicht wagt, kann auch nie eine andere Erfahrung erleben.
Ähnlich ist es derzeit mit der Konstellation unserer neuen Regierung. Bis Weihnachten soll die neue Mannschaft samt Programm stehen. Ein Weihnachtsge­schenk sozusagen ohne Umtaus­chgarantie. Dann hoffen wir mal, dass Herr Kurz nicht wie Herr Pilz in irgendwelche Skandale verwickelt wird, sonst haben wir am Ende ein ähnliches Dilemma wie bei Herrn Pilz. Über 200.000 Wähler haben ihn gewählt und nicht die Partei. Genauso ist es mit Herrn Kurz. Die verkrusteten Strukturen hinter Herrn Kurz bestehen aber immer noch. Wehe, er müsste jetzt gehen. Ich bin auch sehr gespannt, wie das neue Regierungs­programm gestaltet sein wird. Was wird neu sein und was sind Punkte im Programm, die Österreich wirklich nach vorne bringen? Ist es ein gutdurchdachtes Bildungs­programm für die Zukunft? Wohl kaum. Schade. Derweil wird über ein schon beschlossenes Rauchverbot diskutiert. Echt jetzt? Ein Blick zurück würde sich in dem Fall auch lohnen um zu erkennen, dass eine Aufhebung des Verbots gesundheitlich gesehen völliger Schwachsinn ist.

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