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Leitartikel der Woche

Identität über die Marke Vorarlberg
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Seit Oktober 2017 kursiert immer wieder in verschiedenen Gesprächen oder Vorträgen der Begriff „Marke Vorarlberg“. Etwas das vorhanden ist, aber im Prinzip weder greifbar noch per Definition erklärbar wäre. Oder wissen Sie, liebe Leser, was man unter der „Marke Vorarlberg“ versteht?
Eine Marke soll immer für eine Stärkung, egal in welcher Form, dastehen. Dabei ist die Marken-
entwicklung mitunter ein langwieriger Prozess. Man sollte sich also Zeit lassen – Ideen und Meinungen einfließen lassen um am Ende die für sich gestellten Fragen zur eigenen Marke beantworten zu können. Bei vielen Markenent­wick­lungs­prozessen ist eine Marke bereits vorhanden. Diese muss eben in der Analyse genau definiert und mitunter neu aufgestellt werden.
Dabei kann es passieren, dass die Mitarbeiter samt Führungsebene ein anderes Markenverständnis haben wie die Kunden, die das Produkt der Marke kaufen oder konsumieren. Genau dafür sind solche Marken-
entwick­lungs­prozesse gedacht.
Wie sieht es nun aber mit einer „Marke Vorarlberg“ aus? Wer sind die Kunden und Konsumenten? Wen soll diese Marke ansprechen und wer definiert im Markenent­wick­lungs­prozess die jeweiligen Parameter für dieses Projekt? Das Land Vorarlberg hat das Manage­mentbe­ratungs­unter­nehmen Brand Trust aus Nürnberg mit der Markenent­wicklung für das Bundesland Vorarlberg beauftragt. Nun wissen die Experten aus Nürnberg sicher viel über die gleichnamigen Würstchen, aber kennen sie sich auch mit Vor-
arlberg aus? Das spielt keine Rolle, denn die Beratungsfirma aus Nürnberg hat die Aufgabe herauszufinden mit welchen Mitteln man auf die „Marke Vorarlberg“ kommt und wie man am Ende diese definiert. Dabei wurden Vorarlberger Experten aus unter­schied­lichsten Branchen und Bereichen eingeladen um drei grundlegende Fragen zu beantworten:
• Wofür steht Vorarlberg, welche Leistungen und Charakteristika hat die Region in der Vergangenheit und heute erfolgreich gemacht?
• Was macht Vorarlberg attraktiv für alle Menschen, von Einwohnern über Touristen bis hin zu internationalen Fachkräften? Bietet die Region das, wonach diese Menschen suchen?
• Wodurch grenzt sich Vorarlberg ab bzw. hat Vorarlberg ausreichend Abgrenzung zum Wettbewerb?

Diese drei Fragen bilden die Basis für die „Marke Vorarlberg“. Die Bevölkerung ist übrigens auch eingeladen in diesem Prozess mitzuwirken. Auf www.marke-vorarl-
berg.at kann sich jeder beteiligen und über die neuesten Entwicklungen informieren.
Am Ende bleiben jedoch zwei wichtige Fragen offen: Werden sich die Vorarlberger über die „Marke Vorarlberg“ wiederfinden? Für wen ist dieser doch recht große Aufwand gewinnbringend?
Für eine Außenwirkung auf nationaler und internationaler Ebene ist eine übergeordnete Marke sicherlich von Vorteil. Schließlich ist ja auch jeder Österreicher stolz, wenn er im Ausland ein Produkt „Made in Austria“ entdeckt. Genau diesen Effekt kann und sollte der jetzige Markenent­wick­lungs­prozess nutzen. Wir Vorarlberger sollten stolz auf unser Land sein – egal mit welchen Produkten, Köpfen oder Institutionen.
Eines sollten man bei dieser Markenfindung aber nicht vergessen. Ein Land definiert sich nicht nur über wirtschaftliche Spitzenleistung. Es sind mehrheitlich die Menschen, die in diesem Land leben, es prägen und durch kulturelle und intellektuelle Ideen weiterent­wickeln. Dabei spielt die Tradition genauso eine Rolle wie die Innovation.
Die „Marke Vorarlberg“ kann spannend und erkenntnisreich sein, wenn man alles einfließen lässt und am Ende so auslebt, wie wir Vorarl-
berger unser Land täglich erleben.

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