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Leitartikel der Woche

Urlaub für alle
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Um es gleich vorweg zu nehmen: Urlaub ist zwar das Ursprungswort für Erlaubnis, aber in manchen Betrieben ist es eher ein Betteln. In einigen Unternehmen gilt dieses Wort als Unwort, als etwas Böses, als etwas Verbotenes. Sieht man Kollegen mit vorgehaltener Hand in der Kaffeeküche tuscheln, geht es meist nicht um Mobbing, sondern schlicht um die bevorstehende Urlaubsplanung. Wehe der Chef bekommt es mit. Aber auch viele Chefs fürchten sich, dieses Wort in den Mund zu nehmen und scheuen sich über Urlaubswünsche zu reden. Sie tragen dann fiktive Kundengespräche in den Firmenkalender ein und sind für eine Weile nimmer wiedergesehen. Tage später kommt der Chef dann leicht gerötet aus solchen Kundengesprächen zurück und man könnte glauben, hitzige Kundengespräche hätten ihm diese Farbe verliehen.
Dabei ist es so einfach: Urlaub steht prinzipiell jedem der arbeitet zu und der von der Arbeit eine Zeit der Erholung benötigt. Das gilt übrigens nicht nur für ein klassisches Arbeitsverhältnis. Haushalt schmeißen, auf die Kinder aufpassen - egal ob Frau oder Mann - dafür steht jedem genauso eine Zeit der Erholung zu. Manche Paare benötigen von der eigenen Beziehung einen Erholungsurlaub. Manche sehen das Zusammensein vielleicht zu sehr als Beziehungs­arbeit an. In diesem Fall den Partner um Erlaubnis zu fragen, wäre mitunter gar nicht so schlecht. Es wäre zu auffallend, wenn der Partner im gemeinsamen Kalender plötzlich ein viertägiges Kundengespräch eingetragen hätte.

Viele Eltern teilen mittlerweile die Urlaubszeit und gehen getrennt mit den Kindern in die Ferien. Das hat in den meisten Fällen pragmatische und weniger beziehungs­relevante Gründe. So sind neun Wochen Ferien für zwei vollberufstätige Elternteile einfach eine verdammt lange Zeit und die muss noch überbrückt werden und zwar irgendwie zusammen. Aber kann das wirklich ein erfüllender Urlaub sein? Mann und Frau haben schon während der Arbeitszeit kaum Zeit füreinander. Und am Feierabend wird mitunter nur die gemeinsame Zeit mit den Kindern gemanagt. Dabei ist gerade der Urlaub dafür da sich Zeit zu nehmen, Zeit für sich selbst. In dieser Zeit auch an sich selbst zu denken ist enorm wichtig. Körper und Geist sollten die Möglichkeit haben vom Alltag abzuschalten. Das sollte sowohl in einer Partnerschaft als auch in unserem gesell­schaft­lichen System möglich sein. Ist es aber nicht. Darum muss man es oft einfordern und das wiederum geht oft zulasten der Partnerschaft.

Wenn man am Ende des Urlaubs erholt wieder in den Arbeitsalltag kommt, dann spricht alles dafür, in der Urlaubszeit alles richtig gemacht zu haben. Egal wie der Urlaub geplant wurde. Wichtig ist nur, dass man von der Planung bis zur Ausführung alles mit sich selbst vereinbaren kann, sonst kann man gleich arbeiten gehen. Und sind wir mal ehrlich: es gibt genügend Faktoren, die eine noch so perfekte Planung beeinflussen können. Das Essen ist schlecht, das Wetter ist doof, ein Familien­mitglied wird krank, am Urlaubsort herrscht Baustellen­stimmung und so weiter und so fort. Zu nörgeln gibt es immer etwas

Ja, wir sind schon fast „gesegnet“ in einem Land zu leben, wo viele für viel Geld Urlaub machen können. Dennoch ist es manchmal einfach nur schön, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Und das aus zwei Gründen: ab und zu über den Tellerrand zu blicken und manchmal die Erkenntnis zu bekommen, dass es zu Hause doch am schönsten ist. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

Aus diesem Grund verabschiedet sich das Team der Regionalzeitung in den wohlverdienten Urlaub. Wir sind für Sie wieder ab dem 12.8. erreichbar.

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