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Leitartikel der Woche

Logisch ist etwas anderes
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Kommenden Sonntag ist nicht nur der 3. Advent, sondern auch der Startschuss, nein Schnellschuss für eine Regelung, die sich vielen Vorarlbergern nicht wirklich erschließt. Ab dem 15. Dezember braucht man auf der Rhein­talautobahn zwischen Hörbranz und Hohenems keine Vignette mehr. Nicht alle Bürgermeister entlang der Strecke freuen sich darüber und auch in der Schweiz gibt es Unmut darüber. Aber warum? Weil eine logische Erklärung ganz einfach fehlt und Folgeer­scheinungen fast schon offensichtlich sind. Blöd nur, dass man in diesem Fall nicht den Arzt oder Apotheker fragen kann, denn einen Beipackzettel zu der neuen Regelung gibt es schlicht und einfach nicht.
Blicken wir kurz zurück, als der Berg zwischen Deutschland und Bregenz nur eine Röhre hatte und die Verkehrs­situation gerade zur Wintersaison für einen kompletten Kollaps im Pfändertunnel und den Strecken zwischen Hörbranz, Lochau, Bregenz bis nach Hard führte. Damals gab es die sogenannte Korridorvig­nette. Im Nachhinein hat sich dieses System für das damalige Verkehr­sauf­kommen und die -problematik bestens bewährt. Seit der zweiten Tunnelröhre hat sich vieles verbessert. Und dennoch gibt es heute noch immer wieder Stoßzeiten, an denen der Verkehr gerade zwischen Lochau und Bregenz zum Erliegen kommt. Klar macht sich Frust breit für alle Verkehr­steil­nehmer und Anrainer der betroffenen Straßen. Die Lösung, die am kommenden Sonntag in Kraft tritt, könnte – nein, wird - das Problem nur verlagern. Warum? In erster Linie geht es darum, dass Autofahrer von Deutschland oder der Schweiz kommend in beide Richtungen ab Hohenems gratis den Autobah­nabschnitt zwischen Hörbranz und eben Hohenems nutzen können. Mehr aber auch nicht. Was passiert mit all den Sommer- und Wintertouristen, die bei uns im Ländle Urlaub machen? Nehmen wir als Beispiel eine Familie aus Deutschland, die häufiger nach Vorarlberg zum Skifahren kommt. Sie fahren öfters ins Montafon. Die Familie müsste ab Hohenems für knapp 40 Kilometer – nämlich bis Bludenz – knapp 10 Euro bezahlen. Nun wird man als Politiker oder Verkehrsplaner argumentieren, dass man das bisher auch ab Hörbranz bezahlen musste. Stimmt! Aber nehmen wir mal an, diese Familie kommt aus Baden-Württemberg und ist so alemannisch sparsam wie wir Vorarlberger auch. Dann sind einmal im Monat für einen Skitag die 10 Euro für 40 Kilometer zu viel und daher fährt man lieber über die Dörfer, wie wir es sagen würden. Am Ende nicht nur billiger, sondern zu manchen Stoßzeiten auch nerven­schonender, vor allem, wenn sich ab Nenzing auf der A14 in Richtung Skigebiete Schritttempo angesagt ist. Der Verkehr wird sich eben nicht nur für einzelne Sparfüchse verlagern. Viele Gemeinden entlang dieser Route wären betroffen und Nadelöhre wie Feldkirch freuen sich schon jetzt auf den möglichen zusätzlichen Winter­tourismus­verkehr.
Man muss kein Verkehrsexperte sein, um zu erkennen, dass die Verkehrsprob­lematik nur in Richtung Oberland verschoben wird. Mögliche Konsequenzen wären Abfahrtverbote auf der Rhein­talautobahn zwischen Hohenems und dem Arlberg. Das sind leider keine verkehrsp­lanerischen Hirngespinste, sondern ernsthafte Überlegungen. Nur, wer kontrolliert diese Abfahrtsverbote und wie schnell kippt die Stimmung der Vorarlberger, die jeden Tag die A14 nutzen?
Ein vorweih­nacht­licher gordischer Verkehrsknoten wird uns präsentiert. Ziehen alle an einem Ende dieses Knotens, wird er nur fester und man sieht weder Anfang, noch Ende. Lösung aussichtslos! Daher freue ich mich schon auf das Zeitalter der Flugtaxis. Da wird die Rhein­talautobahn überflüssig, auch das Heliskiing. In der Zwischenzeit üben wir uns in Geduld und schauen sicher­heits­halber schon jetzt, wo die Hupe im Auto ist, falls wir im Stau stehen.

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