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Leitartikel der Woche

Butter – Brot und Spiele
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Kurzer Rückblick auf den Beginn der Sommersaison: Die Kühe sind auf den Almen und verdauen bereits die ersten Alpengräser und Kräuter. Zeitgleich schreibt eine Berliner Zeitung auf der Facebook-Seite: Butterpreis steigt ins Unermessliche – esst mehr Margarine!
Wie bitte? Zwei Aspekte, die für Verwirrung sorgten. Warum macht ein vermeintlich unabhängiges Medium Werbung für Margarine (egal welche Marke) und warum forciert diese Zeitung ein Produkt, das produk­tion­stech­nisch viel umweltschädlicher ist? Übrigens ist es ein Ammenmärchen, dass Margarine gesünder sein soll als Butter. Medizinisch gesehen macht es keinen Unterschied. Bei beiden Produkten kommt es - wie bei allen anderen Lebensmitteln - auf die tägliche Menge an.
Butter ist seit 2002 also wieder preislich gesehen in einem Höhenflug. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Rohstoffengpass (Milch), EU-weiter Preisanstieg der Rohstoffe – vor allem die Fettpreise, weltweite Buttergroßhersteller produzieren weniger, parallel wird die Nachfrage nach Butter immer größer. Milchprodukte werden also teurer – das bedeutet aber, gerade für die Bauern, nur ein leichtes Aufatmen. Warum leicht? Weil eben gerade die Preispolitik, zum Teil gemacht von Diskountern aber auch durch die Politik, viele Bauern zur Existenzaufgabe gezwungen hat. Die Bauern, die während der langen Durststrecke überlebt haben sitzen nach wie vor auf einem hohen Schuldenberg. Da sind EU- und landesweite Förderungen hilfreich, aber zum Teil nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Durch das „Wegsterben“
vieler Milchbetriebe gibt es auch weniger Rohstoff­lieferanten. Offen bleibt also wie lange dieser Lichtblick für die Bauern bleibt.

Bei all diesen Diskussionen sollte man sich als Konsument auch immer bewusst fragen, wie viel man bereit ist für ein Produkt zu bezahlen. Gerade im Lebensmittelbe­reich ist diese persönliche Frage keine Option sondern sollte ein MUSS sein. Warum? Wenn 250-Gramm Butter im Schnitt in Österreich 2,20 Euro kosten, dann bekommt am Ende der Bauer nicht den gesamten Betrag sondern nur einen Teil. Und genau das ist der Punkt bei allen Lebensmitteln. Wenn auf Werbeflyern von Möbelhäusern ganze Menüs für 4,90 Euro angeboten werden, dann muss man sich als Konsument eigentlich immer kritisch hinterfragen, was dabei für jeden Einzelnen noch an Gewinn herausspringt. Das Restaurant verdient mit, der Lieferant und ganz am Ende noch der Massen­tier­halter. Bei dieser Kette sind noch nicht einmal die Mitarbeiter und Energiekosten auf allen Seiten miteingerechnet.

Schaut man also die ganze Palette von Lebensmitteln an, die man mittlerweile auch schon fast überall bekommen kann, dann bleibt unterm Strich bei all den Preisen nur ein Schluss: Lebensmittel sind nichts mehr wert. Mittel für das eigene Leben = Leben zu Dumpingpreisen. Lebensmittel sollten für alle leistbar sein, aber eben nicht zu jedem Preis. Das ist kein Widerspruch. Das würde nur bedeuten, dass wir wegkommen sollten von Massenp­roduk­tionen, Massen­tierhal­tungen und vor allem einer sinnlosen Überproduktion. Dann steht eben nur noch ein bis zwei Mal Fleisch pro Woche am Speiseplan. Genauso könnte man eben die Liste mit Lebensmitteln erweitern ohne Einschränkung für Menschen die sich finanziell nicht alles leisten können. Solange wir unser Konsumverhalten nicht verändern gehen die Butter – Brot und Spiele munter weiter.

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