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Leitartikel der Woche

Nichts berührt die Seele mehr
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Blickt man auf die verschiedenen Kulturkreise weltweit, dann kann man mit fast hunder­tprozen­tiger Sicherheit einen gemeinsamen Nenner entdecken: die Musik. Diese in unseren Kreisen oft bezeichnet als Kunstform, ist für viele Völker eine Art Kommunikation um alte Geschichten zu erzählen, Riten zu zelebrieren oder einfach nur als Dorfge­mein­schaft zusammen zu kommen. Gerade der letzte Punkt ist bei und auch nicht anders. Egal welche Musikrichtung gespielt wird, bei Konzerten kommen die Menschen zusammen.
Vergangenen Freitag gab es im Rahmen von Feldkirch 800 ein ganz außergewöhnliches Musik-
erlebnis. Sechs Konzerte an vier verschiedenen Orten. Jedes Konzert dauerte zirka eine Stunde und der musikalische Marathon (immerhin von 18 Uhr bis kurz vor Mitternacht) war gefühlt kürzer als 42,195 Kilometer. Wobei mir persönlich schon nach drei Kilometern die Luft ausgegangen wäre. Nicht so bei der Veran­stal­tungs­reihe „Musik in der Pforte“ letzten Freitag. Die angebotenen Musikhäppchen erwiesen sich als äußerst angenehm. Dazu wurde ein hervorragendes Getränk in Form von kurzen Impulsen der Philosophin Natalie Knapp präsentiert. Grundidee der Veranstalter war, sowohl örtlich als auch musikalisch, eine Zeitreise durch 800 Jahre Musikgeschichte zu erleben. Zugegeben, ein riskantes Projekt, denn was packt man alles in recht „kurzer“ Aufführungszeit mit rein? Für manche mag die ein oder andere musikalische Epoche gefehlt haben, aber dafür bin ich zu wenig Musikkritiker – Gott sei Dank! Daher war der überraschende Moment genau die Prise Salz für den perfekten Musikabend. Frau Knapp verglich die verschiedenen Zeitabschnitte mit dem Leben eines Menschen. Von der Geburt bis hin zum Erwach­senenalter und darüber hinaus. Es waren klare Gedanken und die Bilder die die Philosophin in den Köpfen des Publikums erzeugte unterstrichen am Ende die einzelnen Aufführungen. Die Idee der musikalischen Zeitreise hätte in jeder Vorarlberger Gemeinde stattfinden können, aber gerade zum Jubiläumsjahr von Feldkirch war dies für mich persönlich sicherlich das Highlight aller bisherigen Veranstaltungen zu Feldkirch 800. Es ist auch recht einfach erklärt, warum das so ist. Musik bewegt und berührt auf eine ganz eigene Art die Seele. So waren bei den sechs Konzerten Stücke dabei, die mich weniger bewegt haben und dann wieder welche, die tiefe Emotionen in mir auslösten. Aber egal, ob gut oder weniger gut gefallen – die Musik hat das Publikum berührt. Das Warten hat sich bis zum Ende gelohnt mit der Uraufführung von David Helbock. Zusammen mit Johannes Bär, Andreas Broger, dem Kammerchor Feldkirch und Musikern des gesamten Abends wurde ein musikalischer Blick in die Zukunft gewagt. Am Ende wurde das Stück mit Stehbeifall belohnt.
Ein großes Kompliment an den künstlerischen Leiter von „Musik in der Pforte“ Klaus Christa und dem gesamten Team. Für ein eher bekannt konservatives Vorarlberg ein sehr mutiges und engagiertes Projekt. Aber so ist eben die Kunst und vor allem die Musik. Immer der Zeit voraus. Solche Projekte kann man überall entdecken. Man muss nur auf die Suche gehen und am Ende wird man belohnt durch solch kunstvollen Schätze.
Man könnte noch viel über Musik und Emotionen schreiben und dafür wurden bereits etliche Artikel und Bücher verfasst, aber wenn der ein oder andere beim nächsten Konzert (egal welche Musikrichtung) sich selbst beobachtet und was mit einem emotional passiert, dann hat Musik alles geschafft, was es soll: die Menschen auf deren Gefühlsebene zu bewegen.
„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

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