rma

Leitartikel der Woche

Aktion – Reaktion
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
„Wenn du deine Ziele erreichen willst, dann musst du dafür auch etwas tun! Nur jammern und zuschauen, wie andere besser werden, hilft dir nichts.“ Diesen Satz habe ich einige Male zu hören bekommen. Egal ob in der Schule oder im Training von meinem Trainer. Ja, im Nachhinein eine durchaus nachvoll­ziehbare Aussage. Als sie mir damals immer wieder eingetrichtert wurde, war sie mir aber eher egal.

Vergangenen Freitag sind weltweit wieder tausende junge Menschen für eine saubere und bessere Welt auf die Straßen gegangen. Sie wollen damit aufzeigen, dass der Klimaschutz uns alle betrifft und dass für die nachfolgenden Generationen die Welt nicht mehr so sein wird, wie wir sie heute in den wohlhabenden Ländern noch genießen dürfen. In vielen Teilen der Erde können wir heute schon sehen, was uns womöglich in nicht allzu ferner Zukunft blüht: Umwelteinflüsse, die den Lebensraum zerstören, und die damit verbundenen Hungerkrisen und Fluchtbe­wegungen. Für viele mag diese jetzige Situation durchaus akzeptabel sein mit all den damit verbundenen Konsequenzen. „Was interessiert mich, was in 100 Jahren sein wird? Da bin ich schon längst nicht mehr auf der Welt.“ So eine Aussage kommt nicht nur von einem Menschen, dem alles egal ist, sondern könnte auch stellvertretend für manche Regierungs­mitg­lieder mancher Staaten und Wirtschafts­zweige gelten. Bei dieser Sichtweise ist ein Mehrge­nerationen­vertrag für Nachhaltigkeit hinfällig. Wir alle sollten uns in einem Punkt immer bewusst sein: Eine Aktion erzeugt immer eine Reaktion, egal in welchem Handlungs­spielfeld. Alles Tun hat eine (Aus-)Wirkung.
Seit letzter Woche ist ein Mädchen aus Schweden für den Friedens­nobe­lpreis nominiert. Heißt ja nicht gleich, dass sie diesen Preis bekommt, aber beachtlich ist das schon. Und wenn sich auch einige Journalistenkol­legen gerne über dieses Mädchen in ihren Kommentaren fast lustig machen, Greta Thunberg bewegt etwas, sie tut etwas, um ihr Ziel zu erreichen. Das Mädchen aus Schweden hat etwas geschafft, was viele Verantwortliche vor ihr nicht erreicht haben: Sie berührt mit ihrem Denken und Handeln junge Menschen. Ihre Aktion ruft eine Reaktion hervor, die es vielleicht seit der 68er-Bewegung nicht mehr gegeben hat. Kinder und Jugendliche dafür zu verurteilen, weil sie an Freitagen demonstrieren gehen, anstatt die Schule zu besuchen, wäre genauso verwerflich wie Arbeitern oder Lehrern die einer Gewerkschaft angehören vorzuwerfen, dass sie für mehr Rechte ihre Arbeit niederlegen und protestieren. „Warum noch lernen, wenn es für uns in Zukunft keinen Platz mehr gibt zu leben?“ Dies ist eine der Kernaussagen der Schüler, die demonstrieren gehen. Ja, auch diese Schüler haben Smartphones, essen vielleicht zu viel Fleisch und fliegen mit ihren Familien in den Urlaub. Aber das wird von Eltern und Großeltern vorgelebt und insofern betrifft es uns alle. Die junge Generation, die jetzt für etwas kämpft, möchte auch in diesem Kampf von uns Älteren unterstützt werden. Genau diese jungen Menschen benötigen jetzt die Erfahrung der älteren Generation und vor allem auch die Hilfe von Entscheidungsträgern. Jeder von uns kann etwas tun für eine bessere Welt, und wenn viele Ichs etwas tun, wird ein Wir daraus (in Anlehnung an Prof. Dr. Erwin Ringel). Nehmen wir doch die reichende Hand der jungen Generation und machen die Welt etwas besser. „Make the world Greta again!“ – ein Satz der synonym für ein junges Mädchen aus Schweden steht.

Ihre Meinung zum Leitartikel wurde gesendet!

Menü