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Leitartikel der Woche

Zuschauer oder Akteure?
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Vergangene Woche fand der jährliche Neujahrsempfang der Landesregierung für alle Vorarlberger Medien im Festspielhaus statt. Eine Veranstaltung, die wichtig ist, um sich unter Medienkollegen auszutauschen, was im Alltag nur begrenzt möglich ist. Zu dieser Veranstaltung wird auch immer ein Gastredner eingeladen. Heuer war es der gebürtige Bregenzerwälder Jodok Batlogg. Der Bezauer ist im Silicon Valley genauso daheim wie in Vorarlberg und Berlin. Batlogg hat unter anderem das soziale Netzwerk „StudiVZ“ mitaufgebaut, mittlerweile ist er mit dem von ihm gegründeten Technologie-Start-up crate.io weltweit erfolgreich. Er referierte über das Thema „Hopp oder Top: Digitalisierung als Chance und Herausforderung für Vorarlberg“. Nun könnte man sagen, bitte nicht schon wieder das Thema Digitalisierung. Diese Kritik verblasst so schnell, wie der Wandel und die Veränderung innerhalb unserer Gesellschaft voranschreitet. Batlogg gab Einblicke in seine Arbeit und die damit verbunden Erfahrungen in Bezug auf die zukünftigen Arbeitsp­latzverhältnisse, Lebensstandard und Chancen für Vorarlberg mit neuen Herausfor­derungen. Kernaussage seines Vortrages war, dass alles was digitalisiert werden kann, auch dementsprechend umgesetzt wird. Das ist keine moralische, ethisch oder finanzielle Frage. Es wird passieren und passiert auch schon in vielen Bereichen. Findet jeder Einzelne das nun gut oder schlecht? Egal, denn wer es nicht gut findet, nimmt Platz, ist lediglich Zuschauer. Andere wiederum bestimmen den weiteren Verlauf des Geschehens, sind also Akteure. Wir alle müssen uns demgemäß nur die Frage stellen, welche Rolle wir in Zukunft einnehmen wollen und werden? Interessant war auch Batloggs Hinweis auf seine Rolle als Chef, auf das Verhältnis zu seinen jüngeren Mitarbeitern. Dabei ging es nicht um die klassische Rollenver­teilung, sondern um den Generationen­wandel. Die jungen Generationen unter uns wachsen mit einem komplett anderen digitalen Selbstverständnis auf als die sogenannten älteren. Selbst ich ertappe mich immer wieder, wie ich verschiedene Trends nicht mehr mitbekomme oder teilweise auch bewusst ausklammere, weil ich sie nicht verstehe oder mir zu wenig sagen beziehungsweise andere Formen der Mitteilung und Kommunikation vertrauter sind. Gehöre ich deshalb zum alten Eisen oder bin ich schon auf dem Abstell-
gleis? Bedeutet das für mich, dass ich keine Zukunft­sper­spek­tiven in dieser Welt der digitalen (Arbeits)Welt mehr haben werde. Laut Jodok Batlogg nur dann, wenn ich mich den zukünftigen Entwicklungen gänzlich verschließe. Es muss ein generationenübergreifendes Miteinander gefunden werden, Erfahrungen der Älteren mit den Innovationen der Jüngeren müssen noch mehr verschmelzen. Welche Rolle nimmt dabei Vorarlberg im globalen Zukunftsszenario ein? Es sind Nischen zu finden und gegebene Stärken zu bewahren, aber auch zu erkennen. Vorarlberg ist im europäischen Raum sicherlich eine Region mit einem sehr hohen Lebensstandard, vielleicht mit der höchsten Lebensqualität. Nutzen wir dies also als Chance, um zukünftigen Generationen und qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland diese Vorteile so schmackhaft zu machen, damit wir diesen Standard auch in Zukunft genießen können. Für Batlogg stehen dafür aber noch einige Hausaufgaben an: Die digitale Infrastruktur und ökologisch vertretbare Mobilität muss besser ausgebaut werden und im Bildungsbereich muss schleunigst ein zukunftsfähiges Konzept aus- und umgesetzt werden. Ein Bildungssystem das allen erlaubt den weltweiten Anforderungen einer digitalen Arbeitswelt gerecht zu werden. Vorarlberg als Land und auch als zukünftige Marke hat noch viel vor sich und auch noch einige Baustellen offen. Wir müssen daher versuchen, Akteure zu werden und nicht nur kritischer Zuschauer zu sein.

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