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Leitartikel der Woche

Die ÖVP-Schöpfung 2.0
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Am Anfang schuf Sebastian Kurz eine neue Ordnung. Denn Österreich war wüst und leer, und es war finster.

Und Kurz forderte die Zustimmung der Partei, dass er mit einer eigenen Wahlliste antreten könne, die von der ÖVP unterstützt wird. Sie könne aber auch von anderen Personen unterstützt werden, die ebenfalls kandidieren.

Und Kurz sprach: Auf sämtlichen Kandidaten­listen erfolge die Reihung nach dem Reißverschlussp­rinzip, Männer und Frauen sollen abwechselnd aufscheinen.

Und Kurz sprach: Der Parteiobmann soll ein personelles Durch­griffs­recht erhalten, er solle allein­verant­wortlich die Bundesliste erstellen und solle bei den Landeslisten ein Vetorecht erhalten.

Und Kurz sprach: Der Obmann solle den Generalsekretär und das Regierungsteam bestellen und solle
dafür keinen Beschluss des Vorstandes mehr benötigen.

Und Kurz sprach: Der Parteichef solle freie Hand haben für die Verhandlung von Koalitionen.

Und Kurz sprach: Der Bundesobmann solle die inhaltliche Richtung der Partei vorgeben können. Ihm „obliegt die inhaltliche Führung der Partei“.

Und Kurz sprach: Der Bundespar­teivor­stand solle schriftlich beschließen, dass all diese Forderungen durch eine Änderung der Statuten umzusetzen sei.

Kurz sah alles, was er gemacht hatte, und fürwahr, es war sehr gut. Es ward Abend, und es ward Morgen: siebter Tag.

So wurden die Forderungen und die Umsetzung für den Weg des Parteiobmanns mit dem ganzen Heer der ÖVP beschlossen. Und so ruhte Kurz an dem neu eingeführten achten Tag von seinen Taten, die er gemacht hatte. Und Kurz gab in einer kurz(en) Antrittsrede bekannt, dass er den achten Tag frei machen wolle für sich und für alle anderen in Österreich.

So sind die neuen Forderungen von Sebastian Kurz entstanden, als sie geschaffen wurden. Die alpinen Hornbläser und Chöre vereinigten sich in einem donnerartigen Jubellied und Österreich würde nun auferstehen aus Chaos und Dunkelheit. Andere Mächte sahen aus der Ferne, dass dieser Sebastian Kurz wie ein Phönix aus der Asche zum Himmel empor stieg, wobei sie ihm mit unverständlichen Worten hinterher rufen wollten, dass seine Flügel nur aus Wachs bestünden und seine Reise als bevorstehender Sonnengott nur kurz andauern würde.

Kurz ignorierte die Rufe, denn er verstand sie ja nicht und somit machte er sich auf den Weg zu seinem neuen Thron. Am Ende wurde aber sein Karriereflug abrupt gestoppt und er konnte sich mit seinem ÖVP-Heer nicht gegen die bestehenden anderen Mächte durchsetzen.
Österreich versank wieder in Dunkelheit und Chaos und die Menschen gaben die Hoffnung in die Politik auf. Sie verloren den Glauben an das Gute in der Politik.

Ach du armes Öster-reich - deine Zeit wird vielleicht noch kommen um aus dem Chaos heraustreten zu können. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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