Silvia Böhler
Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit der guten Vorsätze und Neujahrsreden. Das gilt vielleicht ganz besonders in schwierigen Zeiten. Bundespräsident Alexander Van der Bellen richtete sich unter dem Titel „Du glückliches Österreich“ mit Fragen an die Bürger. In welchem Land wollen wir leben? Was soll Österreich in Zukunft sein? Nicht nur nächstes Jahr, sondern in den kommenden Jahrzehnten? Er glaube an ein Land, das eine prosperierende Wirtschaft mit dem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur verbinden kann, an ein Österreich mit einer gerechten Gesellschaft ohne Diskriminierung, Vorurteile und Hass und an ein schlaues Österreich mit dem Fokus auf Bildung und Innovation sowie Sicherheit und Frieden.
Dieses Bild eines besseren Österreichs wird aber angesichts der jüngsten Entwicklungen ordentlich beschmutzt. Wie wir alle wissen, zeigten die Bundespolitiker in den ersten Tagen des Jahres ein wenig rühmliches Bild. Eine Koalition beziehungsweise Regierung der Mitte ist gescheitert - man konnte sich nach Monaten des Verhandelns auf keinen gemeinsamen Weg einigen. Es wird auf eigene Positionen beharrt, gestritten und Schuld sind immer die anderen.
Nicht die einzige schwierige Situation, die Auswirkungen auf uns in Vorarlberg hat. Landeshauptmann Markus Wallner ruft in seiner Neujahrsbotschaft die Einbrüche in der wirtschaftlichen Entwicklung, ungelöste Fragen in der Migration, Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten in Erinnerung. Wallner vertraue aber auf die Vorarlberger, die mit Unternehmergeist und handwerklichem Fleiß seit jeher gezeigt hätten, dass sie stark und widerstandsfähig sind. Nun gelte es die Wirtschaft anzukurbeln, verantwortungsvoll mit den Ressourcen umzugehen, aber auch weiter in Jugend, Bildung, Gesundheit und Pflege zu investieren. Wallner ruft dazu auf, 2025 mit Zuversicht und Tatkraft zu gestalten und mit Mut zu Veränderungen den Vorarlberger Weg zu gehen. Konkret wird er dabei aber nicht, mögliche Maßnahmen oder notwendige Reformen benennt er leider nicht.
Nun sind die Erwartungen an solche Neujahrsbotschaften von vornherein nicht besonders hoch, aber immer nur mit schönen Worten Ziele zu benennen und an den Zusammenhalt und die Zuversicht zu appellieren, ist doch äußerst dürftig. Mit Blick auf die konkreten Probleme der Menschen ist es an der Zeit vom Reden ins Handeln zu kommen. Ein Appell, der sich insbesondere in diesen Tagen an die Politik richtet. Die Menschen erwarten nicht nur Ideen, sondern Lösungen - und vor allem jemanden, der Klartext spricht.
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