Silvia Böhler
Unsere Wiesen sind wieder saftig grün, Lurche und Frösche machen sich auf den Weg zum Laichen, Bienen und Schmetterlinge suchen die ersten blühenden Sträucher. Alles scheint wie immer im Frühling zu sein, doch wer genauer hinschaut sieht die Vielfalt schwinden.
Erst kürzlich präsentierte BirdLife Österreich die Ergebnisse der Wintervögel-Zählung 2025. Anfang Jänner haben Vogelfreunde in ganz Österreich eine Stunde lang Vögel gezählt und ihre Beobachtungen gemeldet - im Ländle waren es rund 26 Vögel pro Garten – und damit weniger als im Vorjahr (27,5) und um fünf Vögel weniger als im österreichweiten Durchschnitt (31). Auch der langfristige Trend zeigt eine Abnahme. In den ersten fünf Zähljahren (2011 – 2015) brachte es Vorarlberg auf durchschnittlich 35 Vögel pro Garten. In den vergangenen fünf Jahren konnte der Trend zumindest verlangsamt werden.
Die Vögel sind nur ein Beispiel, Hiobsbotschaften gibt es für viele Tiere und Pflanzen, die mit knapperem Lebensraum und schlechteren Bedingungen zu kämpfen haben. Durch Pestizide und Dünger in der Landwirtschaft, durch die Versiegelung der Böden und durch die Klimaerwärmung wird die Natur immer stärker belastet. Längst sollten die Alarmglocken schrillen, wenn Experten davon sprechen, dass der Verlust von Bestäubern ein Ernährungsproblem verursacht. Doch die Natur erfährt nur eine geringe Aufmerksamkeit, wenn nicht sogar Ignoranz. Aktuell soll vor allem die Wirtschaft vor Belastungen geschützt werden, bürokratischer Aufwand gemindert und Bauvorhaben schneller abgewickelt werden. Gerade hat die Vorarlberger Landesregierung entschieden, dass der Landesgrünzone rund 9,5 Hektar entnommen werden. Hintergrund waren illegale Baugenehmigungen für Betriebe, die vom Verfassungsgerichtshof beanstandet wurden. Ausgleichsflächen dafür werden nicht gefordert. Das ist ein großer Fehler und überhaupt – wie glaubwürdig ist unsere Regierung im Ländle, die in ihrem Arbeitsprogramm den dauerhaften Erhalt der Ökosysteme mit Bewahrung der Biodiversität festschreibt - nicht aber danach handelt. Nichts als schöne Worte, die mit der Realität nichts zu tun haben. Die Natur braucht endlich auch Vorrang in der Politik.
Es gibt aber auch Fortschritte. Die Europäische Union hat ein Gesetz zur Wiederherstellung der Natur verabschiedet, das die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, geeignete Flächen aufzuwerten. Der Start ist bekanntlich unglücklich verlaufen, auch Vorarlberg hat das Gesetz boykottiert, die damalige Umweltministerin stimmte dennoch dafür. Nun ist das Gesetz beschlossen und anstatt zu jammern, sollten wir in ein positives Tun wechseln. Ich bin überzeugt, dass viele mitmachen und Verbesserung für unsere Natur erzielen wollen. Damit auch für die kommenden Generationen der Frühling mit blühenden Sträuchern, Fröschen und Lurchen, Bienen und Schmetterlingen seinen gewohnten Lauf nehmen kann. Diesen Kreislauf der Natur kann die Wirtschaft nämlich nicht stemmen, auch wenn sie sich manchmal fleißige Bienchen nennen.
RZ Regionalzeitungs GmbH
Liechtensteiner Str. 70, 6800 Feldkirch
Impressum | Datenschutz