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Trauer um „Mister Anzeiger“

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    Günther J. Wolf war 30 Jahre lang Chefredakteur des Anzeigers. Mit seinen Kommentaren setzte er ein Zeichen.

    Foto: Karl-Rudolf Huber

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    Wolf war ein rastloser Arbeiter, der auch zahlreiche Bücher schrieb.

    Foto: Tyrolia / Wolf

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Der bekannte Journalist und Autor Günther J. Wolf ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Jahrzehnte kommentierte er das aktuelle Geschehen im Bludenzer Anzeiger als Chefredakteur und zuletzt als „Commentatore“. 


Wer ihn kannte, wusste, dass man es mit einem unermüdlichen Kämpfer für den objektiven Journalismus zu tun hat. Das Land und insbesondere Bludenz hat einen vorausdenkenden, leidenschaftlichen Journalisten, Autor, Kulturmanager und lieben Menschen verloren. 


Günther J. Wolf wurde 1939 in Friedrichshafen (D) geboren, aufgewachsen ist er in Bludenz. Seine Schul- und Berufsausbildung bringt ihn in die Medienwelt. Zuerst ist er als freier Journalist, dann als Chefredaktor und technischer Verlagsleiter des Rheinkuriers in Buchs sowie als Chefredakteur des Liechtensteiner Wochenspiegels tätig. Im Laufe der 70er-Jahre wechselt er zu Bürotel und betreut als PR-Manager Hollywood-Stars sowie hochrangige Diplomaten und Staatsoberhäupter. 


Ab 1974 ist Wolf in Feldkirch aktiv, leitet das Pressereferat und kreiert die neue Stadtzeitschrift „Feldkirch aktuell“, die später vom Österreichischen Bundeskanzleramt ausgezeichnet wird. Eng verbunden ist Günther J. Wolf auch mit dem Bludenzer Anzeiger. Im Mai 1978 zieht er nach Bludenz und baut das Inseratenblatt mit viel Herzblut und Engagement zur beliebten Wochenzeitung aus. Mit seinem wöchentlichen Kommentar „Unter uns gesagt…“ erlangt der Anzeiger wieder medialen Stellenwert, denn er schreibt, was sich viele denken, aber nicht öffentlich zu sagen trauen. Günther J. Wolf ist 30 Jahre lang Chefredakteur des Bludenzer Anzeigers und hat sich mit seinem Tun den Beinamen „Mister Anzeiger“ mehr als verdient. 


Vielseitiges Schaffen

Günther J. Wolf hält seine Beobachtungen und Recherchen auch in zahlreichen Büchern fest, initiiert 1978 die Bludenzer Literaturtage, ist Begründer von „Jugend schreibt“ und 1980 des Kurzfilmfestivals „Alpinale“, dem er zehn Jahre als Präsident vorsteht. 1998 ruft er in Lorüns den Literaturkreis „Klopfzeichen” ins Leben. International hat sich Wolf vor allem mit seinen Schriften über Ernest Hemingway einen Namen gemacht. Für die literarische Aufarbeitung der „Schrunser Jahre” erhält er viele Auszeichnungen, darunter auch im Jahr 2010 das große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg. Landeshauptmann Herbert Sausgruber bezeichnete Wolf als „rastlosen Arbeiter, der das kulturelle Leben in Vorarlberg durch eine Vielzahl an Initiativen bereichert hat“. Die akribische Aufarbeitung der Hemingway-Aufenthalte im Montafon hätten ihn zu einem der bedeutendsten Hemingway-Experten weltweit werden lassen, so Sausgruber.


Sein letzter Kommentar

Zuletzt beschäftigt Günther J. Wolf vor allem die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft, aber auch die Einsamkeit. Smartphones ersetzen die persönliche Kommunikation, Gasthäuser schließen, Menschen kommen immer weniger zusammen. Die große „Karies“ im Zahn der Gesellschaft sieht Wolf im „allemanischen Neid“. Er mahnt vor der Abkehr des unabhängigen Journalismus und davor unwesentliche Dinge aufzublasen und wirklich große, drückende Probleme zu verschweigen. Es wäre wünschenswert, wenn sich die Gesellschaft wieder auf die alten Werte und die eigene Verantwortung besinne. Nicht das System mache uns, sondern wir machen das System, so der Commentatore zum letzten Mal. Nun hat er sein Lebensbuch zugeschlagen. (red)

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